TODESFALLE FÜR WILDKATZEN

Bild 1: Fundsituation, Reste einer Wildkatze, Nachnutzung durch andere Carnivoren

Bild 2: Rechter Hinterfuß mit sichergestelltem Knotengeflechtabschnitt.

Bild 3: Rechter Hinterfuß mit entferntem Knotengeflechtabschnitt. Deutlich sichtbare Schlaufe an der vertikalen Knotengeflechtverbindung.

Bild 4: Rekonstruktion am Originalmodel

Bild 5: 

Es handelt sich um eine periostale Knochenneubildung im Bereich der Fingerknochen Phalangen:Phalanx proximalis und Phalanx media. Wenn es sich nur um einzelne veränderte  Knochen einer Gliedmaße handelt (so auch an dieser Phalanx 2 und 3), ist eine Kallusformation infolge einer Fraktur am Wahrscheinlichsten.

Bild 6:

Auch lokale Entzündungen mit Periostbesteiligung wären denkbar (z.B. Phlegmone der Gliedmaße, granulomatöse Entzündung, etc.). Dies hervorgerufen durch Aktivitäten beim Beutefang, begleitende Verletzungen wie z.b. Bisswunden durch Beutetiere.

 

Bild 7:

Die Luxation der Verbindung des Fingerhandknochens Metacarpalia und dem Fingerglied Phalanx proimalis ist durch die Befreiungsversuche zu erklären.

 

Bild 8 und 9: Forensische Rekonstruktion am Originalschädel

Beschädigungen am Schädel im Bereich Os nasale sowie Maxilla sind auf Befreiungsversuche zurückzuführen,

Knotengitterzaun - Todesfalle für Wildkatzen

Zäune jeglicher Art beeinträchtigen das Landschaftsbild, können bei schludriger Anwendung zu Todesfallen für Wildtiere werden. Dies gilt in der freien Landschaft für temporär aufgebaute, aber nicht zeitnah abgebaute Zäune aus Elektrolitzen oder -kordeln. Schon mancher Geweihträger hat sich in solch schlabbrigen „Zäunen“ unentrinnbar verfangen mit bisweilen fatalem Ausgang.

 

Zäune in Wäldern wären eigentlich obsolet, wenn die Bestände an Wildwiederkäuern ungestörte Naturverjüngung von Weißtanne und Laubhölzern zuließen. Dies ist zumeist jedoch nicht der Fall, da die Populationsdichten von Rotwild & Co durchweg die Tragfähigkeit von Waldsystemen überschreiten. Missverstandene Hege und unwirksame Bejagungsstrategien zwingen die Forstwirtschaft, mehr oder minder große Flächen im Wald zu zäunen, um Naturverjüngung aufkommen oder gepflanzte Bäumchen hochkommen zu lassen.

Flächen hinter Zaun (Schonungen) sind nicht der Forstleute Traum, können für Wildtiere hinderlich sein und können tödliche Gefahren bergen, z. B. für Wildkatzen, die den Zaun springend und kletternd zu überwinden versuchen.

 

Meistens bestehen diese Zäune aus Knotengittergeflecht, das an – in nicht zu großen Abständen stehenden Pfählen – geschlauft wird. Diese Arbeit erfordert hohe Sorgfalt, damit der Zaun (= Knotengitter) sowohl in der Horizontalen als auch besonders in der Vertikalen unter Form gebender und erhaltender Spannung steht. Das Knotengitter muss eine zweidimensionale Fläche ohne Aus- oder Einbuchtungen ergeben, also stramm sein. Das erfordert schonenden Umgang mit den Drahtrollen, vorsichtiges Abrollen und gezieltes Anbringen der Schlaufen. 

 

Immer wieder verunglücken Wildkatzen bei dem Versuch, einen suboptimal gefertigten Knotengitterzaun zu übersteigen. Da die horizontalen und die vertikalen Drähte unter unterschiedlicher Spannung standen gelangte die Pfote eines Hinterlaufs unter einen Querdraht, querte diagonal einen senkrechten und fand reflektorisch Halt unter dem unteren Querdraht des nächsten Gittergefaches. Somit hatte sich der untere Teil des Hinterlaufs (Sprunggelenk bis Pfotenspitze bei ausgefahrenen Krallen) unlösbar verkeilt (s. Abbildungen) Der Tod dürfte – hoffentlich schnell – durch Kreislaufkollaps erfolgt sein.

Da innerhalb gezäunter Flächen sich häufig eine artenreiche Flora entwickelt, sind diese Schonungen für Mäuseartige hoch attraktiv, was wiederum die Wildkatze anzieht.

 

Vergleichbare Fälle, wie o. geschildert, sollen sich bereits früher ereignet haben. Aus diesem Grunde muss dringend darauf hingewiesen werden, bei der Konstruktion von Knotengitter-Zäunen äußerste Sorgfalt walten zu lassen. Eine zusätzliche Möglichkeit derart fatale Unfälle zu vermeiden, ist die Errichtung von Zaunüberstiegen in Form zweier umgekehrter V aus Rundhölzern, die durch Querhölzer innerhalb und außerhalb des Zauns miteinander verbunden werden.

Wird der Zaun nicht mehr benötigt, weil die Terminaltriebe deutlich dem Äser entwachsen sind oder weil die Wilddichte ein forstlich erträgliches Maß erreicht hat, so muss dieser völlig abgebaut und das Knotengitter aus dem Wald geschafft werden, um möglichen Wildunfällen vorzubeugen.

 

Abschließend: Die Spezialzäune, die Wildkatzen vorm Betreten von Autobahnen und Schnellstraßen bewahren sollen, sind von Experten konzipiert, von Fachkräften aufgebaut worden und für Wildkatzen unüberwindbar. Und sie sind weit teurer als ein gut ausgeführter Knotengitterzaun.   

Team Forensik

V.A.E. Zimmermann

Dr. Reinhard Scharnhölz